Über die Forschungsgemeinschaft Funk und ihre Kommunikationsmethoden am Beispiel der "Monografie gepulste Felder"

Die Forschungsgemeinschaft Funk (FGF) ist ein Zusammenschluss vieler Institutionen, von denen man sagen kann, dass sie insgesamt die Bundesrepublik Deutschland vertreten in ihrem Kampf gegen eine Senkung der Grenzwerte für die Strahlung von Mobilfunk- und Schnurlosgeräten - im Interesse der Wirtschaft und des Staates - gegen die Interessen der Elektrosensiblen und gegen das Vorsorgeprinzip, welches eigentlich Grundlage jeden Handelns sein sollte.

Die FGF ist in Auflösung begriffen, u.a., weil der Kampf nun auf EU-Ebene weitergehen wird. Auch hatten sich wohl immer mehr Mitglieder nicht mehr mit der bisherigen Vorgehensweise identifiziert. Die ARD hatte z.B. den Mut, Mitte 2007 einen mobilfunkkritischen "Tatort" zu senden, der mit zu einer Wende in der öffentlichen Wahrnehmung des Themas beitrug. Dazu mehr am Ende meiner Abhandlung.

Nichtsdestotrotz findet man auf der Website der FGF wahrscheinlich sogar einzelne Studien oder Berichte, die Elektrosensibilität bzw. die Wirkung von Strahlen auf die Gehirnwellen in irgendeiner Form nachweisen. Aber die FGF weiss, dass kaum einer Lust hat, danach zu suchen, sondern dass man Zielgruppen gezielt mit kostenlosen Broschüren versorgen kann, in denen man mit einem Mix aus Information und Desinformation den Eindruck hinterlassen kann, dass die Strahlung völlig harmlos sei und auch Leute, die die Strahlung wahrnehmen, obwohl das eigentlich nicht möglich sei, nicht in ihrer Gesundheit gefährdet seien.

In ihrem Jahresbericht 2008 [ www.fgf.de/publikationen ] weist die FGF gleich mehrmals auf die neue Broschüre "Monografie gepulste Felder" hin, damit sie auch von niemandem übersehen wird. Aber der Reihe nach:

Im Vorwort wird 2008 zunächst als das Jahr der verpassten Entscheidungen bezeichnet. Vielleicht ein Hinweis auf interne Diskussionen - angesichts der zunehmenden Kommunikationsmacht der Strahlungskritiker und deren Analyse der Kommunikationsstrategie der Strahlungsverharmloser, z.B. der FGF.

Als nächstes kommt dann direkt der erste Hinweis auf "ein Highlight der FGF-Arbeit" "die große Monografie "Gepulste Felder - eine Gefahr für die Gesundheit?" in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft Elektro Textil Feinmechanik erschienen." Die Bezeichnung "Monografie" soll wohl den Charakter eines seriösen Standardwerkes signalisieren.

Etwas später erstaunt, dass die FGF mangels Geld und Zeit auf die Herausgabe des Newsletters 04/08 verzichten musste.

Und dann kommt endlich die Erklärung für die verpassten Entscheidungen: "Im ersten Absatz konnten Sie eine Anspielung über "verpasste Entscheidungen" lesen. So hat meines Erachtens der Verein eine grosse Chance verpasst "Wissenschaftler" in den Vorstand zu berufen, um damit die "Glaubwürdigkeit" der FGF nach außen weiter zu erhöhen."

"Wissenschaftler" und "Glaubwürdigkeit" ist in Anführungszeichen, denn das sind Punkte, die immer wieder kritisiert wurden, und es soll so wirken, als halte sich die FGF selbst für glaubwürdig.

Zum Schluss kommt noch die Mitteilung, dass "weitere sechs ordentliche Mitglieder den Verein zum 31.12.2009 verlassen werden".

Auf Seite 4 sind die Mitgliederentwicklung und die aktuellen Mitglieder aufgeführt.

Auf Seite 7 erfährt man dann in dem Bericht über das interne Projekt "Gepulste Felder - eine besondere Gefahr für die Gesundheit?", dass das Manuskript zu der Monografie 2007 fertiggestellt wurde und im Juni 2008 die Monografie veröffentlicht wurde und von der FGF bereits hunderte gedruckte Ausgaben kostenlos veschickt wurden.

Auf Seite 10 wird dann noch mal auf die Monografie hingewiesen. "Die FGF widmet sich mit dieser Veröffentlichung neutral und aus wissenschaftlicher Sicht dem Thema ..." - Wir werden später sehen, dass dies nicht ausschliesslich der Fall ist, bzw. dass neutrale und wissenschaftliche mit nicht neutralen und unwissenschaftlichen Elementen kombiniert worden sind, um insgesamt Glaubwürdigkeit zu simulieren bei dem Versuch, die Warner und Elektrosensiblen als unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Die Monografie ist Teil des Broschürenkriegs, in dem sich inzwischen Strahlungskritiker und -verharmloser gegenseitig ihre Kommunikationsmethoden analysieren und die jeweilige Unglaubwürdigkeit der anderen Seite versuchen darzustellen. Glaubwürdiger bei diesem Versuch ist allerdings die Broschüre "Die Fälscher", auf die ich weiter unten auf der Link-Seite hinweise.

Die Monografie kann unter "Publikationen" auf der FGF-Website [ www.fgf.de/publikationen ] als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Auf Seite 4 wird vorsichtshalber formuliert, dass "wir auch nur Menschen sind, die sich auch beim besten Bemühen irren können." Umso seltsamer mutet die Verwegenheit an, mit der sich unangebrachte Verharmlosungsäusserungen durch die ganze Broschüre hindurchziehen, und mit der z.B. auf Seite 12 und 38 eine umstrittene Technologie als gesundheitlich unbedenklich bezeichnet wird.

Ebenfalls auf Seite 4 wird nochmal betont, dass "wir uns um höchste Objektivität in der Darstellung des Sachverhaltes bemüht haben und uns allein den technischen und wissenschaftlichen Fakten verpflichtet fühlen." - was aber leider nicht der Fall ist.

Im Vorwort formuliert der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Dr. Bernd Pfaffenbach, ehrlich, worum es wirklich geht: "Mögen alle diese Maßnahmen dazu beitragen, die Sorgen der Öffentlichkeit gegenüber den elektromagnetischen Feldern, ob nun gepulst oder ungepulst, weiter zu reduzieren. Verschweigen möchte ich aber nicht, dass neben dem unverzichtbaren Schutz der Bevölkerung auch ein prosperierender Markt vor Eingriffen zu schützen ist, die aus wissenschaftlicher Sicht unbegründet sind."

Einerseits wird zugegeben, dass noch Fragen offen sind: Seite 6: "Wer sich mit dem Thema "Pulsung" näher beschäftigt, muss schnell erkennen, dass der Anspruch, ein umfassendes Dokument zu diesem Gebiet zu erstellen, der Quadratur des Kreises gleich kommt. Noch längst ist das wissenschaftliche Themengebiet nicht abgeschlossen, viele Fragen können derzeit noch nicht abschließend beantwortet werden, die Thematik ist hochkomplex und abstrakt und die laufende Forschung trägt mit ständig neuen Erkenntnissen zu einer andauernden Erweiterung unseres Wissens auf diesem Gebiet bei."

Andererseits ist man davon überzeugt, dass keine Gesundheitsgefährdung besteht: Seite 12: "Elektromagnetische Wellen sind Wechselwirkungen zwischen dem elektrischen und mit ihm verbundenen magnetischen Feld, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten und sehr weit reichen, ohne dass sie die Lebensfunktionen der Lebewesen stören."

Es wird so getan, als würden die Grenzwerte die Gesundheit schützen: Seite 38: "Ein wichtiger Aspekt bei der Anwendung jeglicher Techniken ist der der Personensicherheit. Das gilt natürlich auch für die Hochfrequenztechnik. Hier wird der Schutz von Personen durch die Festlegung von Grenzwerten sichergestellt. Dabei werden Obergrenzen für elektrische Felder oder deren biologische Wirkungen so festgelegt, dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung von Personen ausgeschlossen ist."

Es werden Unwahrheiten zum Xten Male aufgewärmt: Seite 7: "nicht mit menschlichen Sinnen ohne weiteres erfahrbare (...) Strahlung", "wurden Schutz- und Grenzwerte für gesundheitlich unbedenkliche Strahlungsstärken festgelegt".

Es wird mit scheinlogischer Täuschung gearbeitet: Seite 7: "Zwar ergaben sich in der seriösen, replizierbaren Forschung keinerlei Hinweise auf Beeinträchtigungen oder gar Schädigungen, wenn die oben erwähnten Grenzwerte nicht überschritten wurden".

Replizierbare Forschung muss noch lange nicht seriös sein, bzw. nicht replizierbare Forschung kann u.U. seriöser sein. Denn "wissenschaftlich" ist nicht gleich seriös - es können in jeder Studie Irrtümer und Fehlschlüsse passieren. Informationen von "Laien" können "seriöser" sein als so manche als "wissenschaftlich" bezeichnete Quelle.

Es fällt auf, dass die Quellen fast ausschliesslich viele Jahre alt, oft 10 Jahre oder älter, also teils längst überholt sind! Oder es werden nur verharmlosende Quellen genannt, andere werden nicht erwähnt.

Es werden Kommunikationsmethoden der Strahlungskritiker durchleuchtet: Seite 8: "Begriffe wie Funk, Strahlen, Pulsung und Digitalisierung treten in der EMVU (Elektromagnetische Verträglichkeit mit der Umwelt = Einfluss technisch erzeugter elektromagnetischer Felder auf die Natur und den Menschen) -Diskussion immer wieder auf und werden bisweilen sogar in "politische Reizwörter" umgewandelt wie "Strahlung", "harte Taktung", "knallharte Pulsung", "steile Flanken", "digitale Pulsung" oder "digitale Modulation" und werden damit nicht mehr sachorientiert benutzt."

Waren die Forschungsmethoden z.B. zur Elektrosensibilität gerade des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms bisher sachorientiert? Ich weise auf eine solche Studie auf der Link-Seite hin. Wenn ein Endokrinologe die Studie geleitet hätte, wäre die Studie vielleicht zielführender und das Ergebnis vielleicht aussagekräftiger geworden.

Es wird versucht, die Verwendung von gepulsten Feldern in der Nachrichtentechnik zu rechtfertigen: Seite 11: "Damit nutzt man die knappen Ressourcen Zeit und Frequenz vielfach aus."

und Funk allgemein zu rechtfertigen: Seite 13: "Funk unterstützt die Mobilität".

In der Quellenliste auf der Seite 11 wird auf den Abschlussbericht zum Projekt "miniWatt II" [ http://lexikon.bmwi.de/BMWi/Navigation/Wirtschaft/ Telekommunikation-und-Post/mobilfunk, did=283858.html?view=renderPrint ] ( Minimierung der Immission künftiger Funkdienste ) hingewiesen, der bei Veröffentlichung der Monografie noch nicht fertig war. Auf der Website des Bundeswirtschaftsministeriums heisst es: "Die Ergebnisse des Projektes zeigen, dass sowohl im Bereich der Endgeräte als auch bei der Netzinfrastruktur eine deutliche Senkung der Exposition möglich ist. Vor allem bei WLAN-Produkten ist durch intelligente Regelung der Sendeleistung und Verbesserung der Antennensysteme eine Reduzierung der Exposition um mehrere Größenordnungen erreichbar."

Elektrosensible werden ignoriert: Seite 13: "Die Komplexität und die sichtbare Massierung dieser Technik haben jedoch dazu geführt, dass sie nicht mehr nur selbstverständlich angenommen, sondern auch von einem Teil der Bevölkerung kritisch hinterfragt wird." In Wirklichkeit hat die von Fachleuten öffentlich kommunizierte mögliche Gefahr und die von Betroffenen kommunizierte real vorhandene Elektrosensibilität eines Teils der Gesellschaft dazu geführt, dass diese Technik nun von immer mehr Menschen kritisch gesehen wird.

Obwohl über die Strahlung von Fernsehsendern geschrieben wird, fällt auf, dass an keiner Stelle auf die Strahlung von Fernsehgeräten eingegangen wird. Diese Strahlen können nämlich von manchen Leuten wahrgenommen werden.

Die ausführlichen Sachtexte mit technisch komplexen Beschreibungen führen dazu, dass man ab ca. Seite 14 anfängt, immer schneller vorzublättern, so dass man irgendwann auf Seite 21 ankommt und nur noch das Ende des Artikels liest: "Qualitätssteigerung bei geringerer Feldstärke." - was aber nun plötzlich höchst unsachlich, relativ und spekulativ ist! Es wird der Eindruck erweckt, die neue Technologie sei die unbedenklichere.

Von Seite 27 bis 37 werden drei andere gepulste Strahlungsarten vorgestellt.

Auf Seite 38 erfährt man dann, dass bereits seit 2002 Projekte laufen, die das Ziel haben, Minimierungsmöglichkeiten bei der Strahlenbelastung zu erforschen.

Ab Seite 49 geht es um biologische Hintergründe und den Stand der Forschung, der aber bei einer solchen statischen Broschüre natürlich sofort ab Fertigstellung veraltet ist und auch selektiv wiedergegeben sein könnte, was für den nicht eingeweihten Leser nicht wahrnehmbar ist. Für Entscheidungsträger, an die die Broschüre verschickt würde, wäre es ein Riesen-Aufwand, nachzuprüfen, wie denn nun der gegenwärtige Erkenntnisstand tatsächlich ist.

Auf Seite 58 wird dann wieder versucht, aus dem (angeblich) Nicht-Vorhandensein des Nachweises eines eindeutigen Wirkungszusammenhangs zwischen EMF und biologischen Vorgängen auf die Nicht-Existenz einer Wirkung zu schliessen: "Letztlich bleibt abzuwarten, ob dieser Ansatz den ausstehenden Nachweis für einen plausiblen Wirkungsmechanismus erbringen wird. Bislang jedenfalls kann nicht davon ausgegangen werden, dass die gepulsten Vorgänge im Körper wirkliche Angriffspunkte für gepulste elektromagnetische Felder bieten."

Auf Seite 59 wird dann auf umgekehrtem Weg argumentiert: "Da jedoch die Wissenschaft prinzipiell die Nicht-Existenz eines Phänomens nicht beweisen kann, bleibt immer ein Zweifel." Hier wird so getan, als gebe es keine Phänomene, aber die Nicht-Existenz sei nun mal nicht beweisbar. Die Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit entstehen aber gerade aus den von manchen Menschen übereinstimmend festgestellten Phänomenen, deren Wirkungszusammenhang lediglich noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte.

Auf Seite 60 wird richtig festgestellt, was bei der ganzen Erforschung der biologischen Wirkung ein Problem ist: "Die Anzahl möglicher Kombinationen geht ins Unermessliche. Ist das Resultat einer Studie negativ, so bleibt die Frage: Aber hätte man nicht vielleicht bei der Wahl eines anderen Parameters etwas gefunden?" "Auch bei der Erfassung großer Bevölkerungsgruppen sind die Zahlen der tatsächlich Betroffenen gering und damit die Unsicherheiten der Aussage groß." "Da die Wissenschaft prinzipiell nicht beweisen kann, dass ein Phänomen nicht existiert, bleibt immer ein Zweifel. Die meisten Arbeiten enden mit dem Satz: "Weitere Forschung ist nötig!"" "Ohne Kenntnis des Mechanismus ist es ferner nicht möglich, von einem gefundenen Effekt auf einen anderen bei veränderten Parametern zu schließen."

Seite 64: "Eine Reihe von allerdings nicht reproduzierbaren Experimenten lenkten in den 80-er Jahren die Aufmerksamkeit auf die Rolle des Kalziums in möglichen Mechanismen der Wirkung sowohl nieder- als auch hochfrequenter Felder. (...) Diese Befunde sind sicher falsch (...)" - Dies ist ein Hinweis auf mögliche Wirkungen von EMF auf den Kalzium-Haushalt oder bei verändertem Kalzium-Haushalt, wie er bei endokrinologischen Befunden vorkommen kann! Solche unbequemen Befunde werden vorsichtshalber willkürlich als falsch eingeschätzt.

Auf Seite 68 werden die Ursachen des "Mikrowellenhörens" beschrieben. Dann: "Anwendungen, die solche Pulse generieren, sind vor allem das Radar, sowie verschiedene Arten von UWB-(Ultra Wideband) Pulsen. In den Grenzwertempfehlungen der Internationalen Strahlschutzkommission (siehe [SSK 1999]) sind diese Wirkungen berücksichtigt: Felder mit Pulsmodulationen, die mindestens das 32fache der durchschnittlichen Feldstärke bzw. mind. das 1000fache der mittleren Leistungsflussdichte erreichen, fallen unter gesonderte Bestimmungen. Für Mobilfunkgeräte sind solche Höreffekte nicht möglich: die maximalen gemessenen Feldstärken von Handys (Tastverhältnis bei GSM ist 1:8) bewegen sich im Bereich von etwa 10 bis 100 V/m und die vorherrschende Pulslänge bei GSM beträgt 577 mikrosek. Das Mikrowellenhören wurde jedoch erst ab Feldstärken von ca. 2000 V/m und Pulslängen kleiner als etwa 30 mikrosek. beobachtet."

Es gibt aber Menschen, die bei Strahlung von Schnurlosgeräten ein Ticken oder einen Sington wahrnehmen. Mich z.B.

"Die endgültige Antwort auf die Frage nach eventuellen modulationsspezifischen Wirkungen amplitudenmodulierter oder gepulster HF-Felder auch unterhalb der Grenzwerte steht also noch aus."

Auf Seite 85 wird bzgl. DECT von einer nicht vorhandenen oder zweifelhaften Forschung auf eine nicht vorhandene Gefahr geschlossen.

In der "Literaturanalyse zu experimentellen biomedizinischen Studien über Effekte hochfrequenter elektromagnetischer Felder unter besonderer Berücksichtigung des Unterschieds zwischen "gepulsten" und "ungepulsten" Feldern" heisst es auf
S. 101: "(...) zeichnete sich beim Nervensystem eine überdurchschnittliche Empfindlichkeit gegenüber EMF ab." (...),
S. 102: "In 65% der Studien, die einen unterschiedlichen Effekt zwischen CW und PW (gepulsten Wellen) beschrieben, wurde der Effekt durch PW ausgelöst oder verstärkt und nicht durch CW." (...)
"Wenn überhaupt, kann eine gewisse Sensitivität gegenüber der Modulation elektromagnetischer Felder bei elektrischer Hirnaktivität (...) sowie Blut-Hirn-Schranken- (...) und Enzymfunktionen (...) festgestellt werden. (...)".

Ab Seite 114 kommt dann ein grosse Abhandlung mit dem Titel: "Wie objektiv ist die öffentliche Wahrnehmung?" - Wahrscheinlich inspiriert von dem Vorwurf von Seiten der Mobilfunkkritiker, Politik und Wirtschaft würden die öffentliche Risikowahrnehmung manipulieren, wird nun hier versucht, Beispiele dafür zu bringen, wie auch die Mobilfunkkritiker die öffentliche Risikowahrnehmung beeinflussen.

Im Vorwort wird wieder falsch behauptet: "Wir können elektromagnetische Wellen (...) nicht fühlen. Und gerade, weil man diese Wellen mit den menschlichen Sinnen nicht unmittelbar wahrnehmen kann, hat sich daraus Angst oder gar eine gewisse Mystik entwickelt." - Richtig wäre, dass die Angst gerade aus der tatsächlichen Wahrnehmbarkeit der Wellen bei einigen Menschen entsteht, die öffentlich kommuniziert wird. Ausserdem läuft die Wahrnehmung von anderen Sinnesreizen nicht unmittelbar, sondern über komplexe Prozesse ab. Während die elektromagnetischen Wellen vielleicht sogar unmittelbar wahrnehmbar sind für bestimmte Personen.

Ab Seite 115 wird dann behauptet, die blosse Existenz von DECT-Telefonen habe die Kritik daran hervorgerufen. In Wirklichkeit hat die eindeutig nachweisbare Wirkung der DECT-Strahlen auf viele Menschen jeden Alters die Kritik so stark werden lassen.

Etwas später stellt sich heraus, dass es gerade auch in dem Bereich noch keine ausreichende Forschung gibt. Ausserdem wurde bereits 1999 in einer Zeitschrift vor DECT-Telefonen gewarnt, u.a. weil Menschen über Beschwerden geklagt hatten. Es werden völlig veraltete entwarnende Kommentare zitiert, die längst überholt worden sind durch warnende, z.B. vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Ab Seite 116 wird dann das Phänomen Elektrosensibilität hinterfragt. Man wundert sich, warum ausgerechnet der Mobilfunk, aber nicht Fernseh- und Hörfunk-Wellen, "im Fokus der Ängste" ist. - Natürlich deshalb, weil Mobilfunkstrahlen für manche wahrnehmbar sind, Strahlen von Fernsehsendern dagegen meist nicht. (Strahlen von Fernsehgeräten dagegen schon.) Aber das wird hier natürlich ignoriert.

Dann folgt ein längerer Abschnitt über "Die Rolle von Emotionen in der Risikowahrnehmung", wobei das alles zutreffen mag, was da steht, aber es ist egal, ob das Risiko emotional oder rational kommuniziert wird. Alleine die Tatsache, dass Politik und Wirtschaft seit vielen Jahren nachweisbar mit Desinformation arbeiten, ist der Beweis dafür, dass man ihnen nicht trauen kann. Das Misstrauen gegenüber der Industrie und Politik entsteht nicht aus der vielleicht oft emotional ansprechenderen Kommunikationsweise der Mobilfunkkritiker - in früheren Zeiten hatte gerade deren oft chaotisch wirkendes Erscheinungsbild und wie die Aktivitäten der Mobilfunkgegner öffentlich in den Medien wiedergegeben wurden eher Misstrauen gegen die Strahlungskritiker erweckt -, sondern aus den realen Fakten, die gegen das System Mobilfunk sprechen. Es wird ja auch an anderer Stelle von einem zunehmenden Misstrauen gegenüber dem System Mobilfunk geredet. Dies hat 1. zu tun mit der offensichtlichen Abzockerei der Telekommunikationsfirmen und der Abhandlung dieses Phänomens in Verbrauchersendungen im Fernsehen, und 2. mit der zunehmend rationalen und realistischeren Berichterstattung über die möglichen Wirkungen der Strahlen in allen Medien und der zunehmenden Professionalisierung der Kommunikation von Seiten der Kritiker.

Ab Seite 136 kommt dann ein längerer Abschnitt zum Thema "elektromagnetische Hypersensitivität (Elektrosensibilität)". Dort wird erstmals zugegeben, dass ab Mitte der 1980er Jahre Berichte zunahmen, in denen Betroffene ihre Gesundheitsprobleme auf die Exposition durch elektromagnetische Felder zurückführten. Dann wird aber auf ein völlig veraltetes Fact Sheet der WHO verwiesen aus dem Jahr 2005, das ich der WHO gegenüber bereits kritisiert habe ( siehe unter "Aktuelles / 04.07.2008 - My email to the WHO" ).

Es wird behauptet, die Symptome von Elektrosensiblen seien unspezifisch, obwohl sich in der Studie mit Elektrosensiblen von 2005 bis 2007 des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms zumindest ein leichter Hinweis auf bestimmte endokrinologische Ursachen ergeben hat, obwohl nach diesen bestimmten gar nicht gesucht worden war. Aus den dort angegebenen Symptomen liesse sich wahrscheinlich sogar ein spezifischer Verdacht formulieren, wenn ein Endokrinologe dazu gefragt würde.

Dann werden drei Erklärungsversuche für Befindlichkeitsstörungen von Elektrosensiblen aufgelistet, die ebenfalls teilweise aus dem FactSheet der WHO stammen und völlig veraltet sind (nicht den Erkenntnisstand von 2007 wiedergeben). Aus diesen Erklärungsversuchen ergibt sich für den nicht anderweitig informierten Leser der Eindruck, Elektrosensible seien zu mindestens ca. einem Drittel psychisch krank. In der 2007 beendeten DMF-Studie hatten sich aber nur ca. 1 bis 3 von ca. 133 Elektrosensiblen als so psychisch krank herausgestellt, dass sie von der Teilnahme an der Studie ausgeschlossen wurden, wobei man da noch berücksichtigen muss, dass es bei solchen Phänomenen immer auch zu Fehldiagnosen kommen kann. Über die Teilnehmer gibt es keine Auskunft darüber, ob überhaupt einer von ihnen eine behandlungsbedürftige psychische Störung hatte. Die festgestellten somatoformen bzw. schizotypen Störungen können eine Fehldiagnose sein, denn es handelt sich um Symptome, für die "von Ärzten keine genauen Ursachen gefunden wurden". Das muss aber keine somatoforme Störung sein, sondern ist dann lediglich ein Irrtum und kann den Umstand widerspiegeln, dass sie noch nicht beim richtigen Facharzt waren. Auch hinter der schizotypen Störung kann sich ein anderer Befund oder Grund verbergen und es muss gar keine psychische Störung sein. Auch in dem Abschlussbericht der Studie werden diese Befunde nur unter Vorbehalt beschrieben.

Die im letzten Abschnitt beschriebenen Aspekte stellen wohl den schwerwiegendsten Fehler (gelinde formuliert - eigentlich müsste man sagen: Tatbestand) in dieser Monografie dar, vor allem, wenn man weiss, dass sie erst Mitte 2008 veröffentlicht wurde, also vorher eventuell noch hätte korrigiert werden können.

Und dies in einer Broschüre mit einem Vorwort aus dem Bundeswirtschaftsministerium! Musste Glos auch deshalb gehen?

Es stellt sich dann noch heraus, dass auch die Vermutungen, dass Kinder besonders gefährdet sind, schon seit einigen Jahren bestehen. Sie haben aber noch nicht zu Konsequenzen geführt. Es bestehe weiterer Forschungsbedarf.

Auf Seite 140 dann nochmal: "Nicht auszuschließen sind eventuell sogar Ereignisse, die (...) Bei sehr starken Pulsen kann diese periodische Erwärmung des Gewebes zum "Mikrowellenhören" führen. (...) Über den Mechanismus dieses Vorganges besteht experimentell und theoretisch Klarheit. Gesundheitsschädlich scheint das Mikrowellenhören nicht zu sein." - Dazu möchte ich anmerken, dass in dem Fall, dass dieses Phänomen bei mir tatsächlich vorhanden ist, ein 24-stündiges ununterbrochenes Mikrowellenhören in der eigenen Wohnung garantiert gesundheitsschädlich ist.

Auf Seite 143 kommt dann wieder das Thema "Risikowahrnehmung und Risikokommunikation". Ich nehme an, um dem Leser eine gewisse Skepsis gegenüber den teils eher Emotionen ansprechenden Berichten über das Thema Mobilfunk im Fernsehen nahezulegen (wie sie im Jahr 2007 noch gewesen sein mögen). Dazu möchte ich meine Schlussbemerkung machen: Am emotionalsten war sicher die "Tatort"-Folge "Strahlende Zukunft" Mitte 2007. Aber es war auch ein zwar auf 90 Minuten verdichteter, jedoch einer der ehrlichsten und realistischsten Beiträge zum Thema Mobilfunk. Es wurde die Tatsache kritisch kommuniziert, dass bisher versucht wurde, Elektrosensible als psychisch krank einzustufen. Phantasie und Realität wurden kreativ miteinander verbunden, um zumindest den Grad der kriminellen Energie der Mobilfunkbranche realistisch anzudeuten. Jener Tatort markiert die Wende in der öffentlichen Kommunikation und Wahrnehmung. Diese Broschüre kann lediglich den Strahlungskritikern als Beweisstück gegen die Strahlungsverharmloser dienen.